Ein Volk unter der Lupe: Die Ganl’en

Unser Hauptcharakter bei der #MagunQuest fand in einem Nebenraum viele tote Ganl’en, die auch „Weiße Dämonen“ genannt werden – Zeit, dieses dämonische Volk etwas genauer vorzustellen. Die folgenden Texte sind Auszüge aus dem Regelwerk:

Ich ertrage es nicht mehr. Ich kann sie sehen, die Seelen der Toten. Kann spüren, dass sie nichts Neues erfahren haben als das Leid und den Hass. Ich rufe sie immer und immer wieder, biete ihnen alte Erfahrung in einem Krieg, den sie kennen, zeige ihnen bekannte Formen des Leides und des Grauens, rufe sie aus der Ruhe der Spirat und zwänge sie durch meinen Leib, spüre ihren Frust. Ich spüre, dass sie satt sind, gefüllt von dem, was ich mein Leben nenne. Ich wurde in Feuer und Schmerz geboren, lernte, die gerufenen Geister der Dreyven zu verdrängen und selbst Geister auf die Dreyven zu hetzen. Täglich sehe ich mit an, wie die Sklaven um mich sterben und wie die Dreyven Tag um Tag gegen ihre Diener kämpfen. Ich muss mit ansehen, wie eine Handvoll Dreyven Dutzende von Sklaven dahinrafft und viele meiner Brüder und Schwestern. Wir, die wir jung sind, kämpfen Stunde um Stunde, Tag für Tag und Jahr für Jahr gegen jene, die Äonen des Lernens hinter sich gebracht haben. Ich weiß, ich werde in diesem Krieg sterben, der kein Ende hat. Auch ich werde kämpfen und Geister rufen, bis ich getötet werde oder mich der Wahnsinn erfüllt. Mit jedem Ruf wird mein eigener Geist erfüllt von dem Leid der Seelen, die ich rief. Ich sehe nur noch Tod und Irrsinn. Ich ertrage es nicht mehr. Morgen werde ich dem großen Ritus beiwohnen, helfen, den Feind zu zerschlagen. Wie sehr wünsche ich mir, bei diesem Ritus meine Seele zu geben. Ich ertrage es nicht mehr.

Durch einen Trick von Gott Tart‘en gestohlen, gezeugt von den beiden Erzdämonen Ganel und Szarithan, sind die Ganl‘en nur zu einem Zweck erschaffen worden: die Vernichtung der Dreyvenrasse. Viele Ganl‘en haben nur Krieg kennengelernt, wurden im Chaos geboren, lebten in Pein und Grauen und starben mit Verachtung und meist unerträglicher Qual. Die Ganl‘en dienten als magische Unterstützung, damit sich die Sklaven gegen die Mächte der Dreyven erheben konnten, denn kein Sklave beherrschte die Magie auch nur ansatzweise so gut wie die Dreyven. Erst das Eingreifen der Magun zeigte den wenigen Ganl‘en, dass es noch anderes gibt als Mord, Totschlag und Misshandlungen. Die Ganl‘en dieser Tage schätzen den Frieden und versuchen alles, um diesen zu erhalten oder herbeizuführen.

Kurz nach dem Langen Krieg widerfuhr dem Volk der Ganl‘en großes Unglück. Die Mutter Ganel war entsetzt über ihre Kinder. Da die Kinder von Tart‘en erzogen wurden und Ganel erst danach versuchen konnte, an ihre Kinder heranzutreten, verfielen viele weiße Dämonen dem Sadismus, dem Blutdurst und der Brutalität, die auf der ganzen Welt herrschte. Wie die siegreichen Menschen plünderten sie, quälten und nutzten die Maschinen der Dreyven, die Magun nicht zerstört hatte. Die große, dämonische Mutter verzweifelte und sprach leichthin einen Fluch über ihre Kinder aus, der nicht gehört werden sollte:

Zorn erfüllt mein Herz ob der Gräueltaten meiner Kinder und fortan soll verflucht sein, wer sie fortführt. Wer sich dem Rausch hingibt oder das Fleisch der Schöpfung Maveres verspeist, wer einen anderen Geist quält, wie die Dreyven es einst taten, soll zum Bild des Grauens werden. Die unbedeutenden Stellen seines Leibs sollen wachsen und bedeutend werden, das Fleisch des Sünders soll verfallen und schmerzen, die Seele das Nichts erblicken und mit toten Augen die Schande der anderen erkennen und sie entleiben, auf dass sie neugeboren ihre Fehler wiedergutmachen können.

Als Ganel ihre eigenen Worte vernahm, bereute sie sie bereits, doch der Schüler des Nichts, Morntan der Unsichtbare, hatte den Fluch ebenfalls gehört und setzte ihn gegen den Willen der Ganel um. Unfähig Morntan aufzuhalten, muss sie nun mitansehen, wie ihr Volk seither unter den unvorsichtig ausgesprochenen Worten ihrer Mutter leiden muss. Der Fluch macht es einem Ganl‘en kaum möglich, Fleisch oder Rauschmittel jeglicher Form zu sich zu nehmen, ohne dadurch die Wirkungen des Fluchs zu verspüren. Noch härter trifft es die Ganl‘en, die einen anderen Geist grundlos oder aus Machtgier quälen oder gar Nekromantie wirken.

Wie viele Völker ist das Volk der Ganl‘en klein und ohne eigenes Land. Die wenigen reinen Ganl‘engemeinden sind in der Regel in direkter Nähe zu Szarithan‘endörfern oder Städten der Menschen. Es wird stets reger Handel mit den Nachbargemeinden getrieben, allerdings sind Gemeinden der Ganl‘en vorsichtig und lassen nur wenige Fremde hinter die schützenden Mauern, die jede Ganl‘engemeinde umringt. Es gibt auch Ganl‘engemeinden in den großen Städten Monderans; die größten in Ravensgraf und Kalibar. Es handelt sich hierbei um ganze Viertel, die eine Ganl‘engemeinde für sich beansprucht und deutlich vom Rest der Stadt abgrenzt, ohne dabei den Kontakt zur Stadt und den Anwohnern zu verlieren. Denn auch, wenn sich die Ganl‘en gerne unter ihresgleichen wissen und anderen Völkern mit Vorsicht gegenübertreten, ist dem Volk klar, dass es in seiner geringen Größe nicht lange ohne den wirtschaftlichen Austausch und militärischen Schutz der anderen überstehen kann. Die deutliche Abtrennung und Distanzierung zu anderen Völkern entwickelte sich langsam in den ersten Jahrzehnten nach dem Langen Krieg und wurde seitdem immer ausgeprägter. Die hohe Empathie und das berechnende und bedachte Wesen der Ganl‘en stand oft im starken Kontrast zum Leben der anderen Völker. Da der Zorn der Ganel aufgrund von Verhaltensweisen geweckt wurde, die anderen Völkern eigen waren, gilt es als der dämonischen Mutter gefällig, sich sehr deutlich vom Verhalten der anderen Völker zu unterscheiden. Die räumliche Abgrenzung soll dabei helfen, nicht zu viele Eigenschaften von den Fremden zu übernehmen.

ganlen_hochDas Volk der Ganl‘en ist wie kein zweites der Spirat nah. Schon ihr Wesen allein ermöglicht es ihnen bereits, die Beziehungen zwischen unserer und der Welt der Geister zu erspüren. Doch nicht nur das: jeder Ganl‘en scheint magisch begabt zu sein. Wo auf viele tausend Menschen nur eine magisch begabte Person geboren wird, ist es bei den Ganl‘en genau umgekehrt. Doch nicht alle Ganl‘en können und sollten in der Magie geschult werden. Viele Ganl‘en müssen in der Landwirtschaft arbeiten und körperliche Arbeit verrichten, um den materiellen Bestand ihrer Siedlung zu sichern. Zudem besteht bei allen magisch geschulten Ganl‘en ein erhöhtes Risiko, dem Fluch zu verfallen und so nicht nur sich selbst, sondern Dutzende oder gar hunderte andere dem Tode zu weihen. Deshalb wird zum Schutze aller nur ausgewählten Ganl‘en gestattet, die Ausbildung zum Magis zu machen. Oft kommt es auch dazu, dass einige talentierte Kinder nicht ausgebildet werden, weil ein zu großer Bedarf an „Fernen“, also weltlichen Arbeitern, besteht, der nicht durch fremde Arbeiter gedeckt werden kann. So kommt es, dass trotz der hohen Anzahl von potentiellen Magis nur etwa vier von hundert Ganl‘en eine wirkliche magische Ausbildung genießen können. Dies sorgt allerdings immer noch dafür, dass man in einem kleinen Dorf von Ganl‘en problemlos vier bis acht ausgebildete Magis antreffen kann, während in einer gleich großen Menschengemeinde kein einziger Begabter zu finden ist.

Durch die angeborene Nähe zur Spirat ist das Volk der Ganl‘en eng mit den Geistern verbunden, die sie umgeben. Spiritualität ist den Ganl‘en sehr wichtig und das Gleichgewicht der eigenen Seele das höchste Ziel. Prisalis und Gleris nehmen die höchsten Positionen in der Gesellschaft der Ganl‘en ein. Eine Gemeinde wird immer von einem ausgebildeten Magis oder Gleris angeführt, der von seinesgleichen zum Anführer der Gemeinde gewählt wird. Die „Fernen“, wie die nicht magisch Ausgebildeten genannt werden, werden von den Ältesten der jeweiligen Berufsgruppen vertreten und bilden gemeinsam mit den Magis der Gemeinde den Rat, der den Anführer in Belangen der Gemeinde berät.

Ähnlich wie bei den Szarithan‘en werden Kinder von allen großgezogen, allerdings aus anderen Gründen. Da Ganl‘en keine zur Treue verpflichtenden Partnerschaften kennen und sich Paare ohne jegliche Zeremonien finden und trennen, ist es oft unklar, wer der Vater eines Kindes ist. Ein Stammbaum wird nach der weiblichen Linie gezogen. Durch das Aufziehen der Kinder durch alle Gemeindemitglieder ist nicht nur das Wohl der Kinder, sondern auch das der Mutter in den Zeiten gesichert, in denen sie nicht ihrem Beruf nachgehen kann.

Die Ganl‘en sind ein ruhiges, bedachtes und vor allem empathisches Volk. Sie sprechen meist leise und lassen sich oft ein wenig Zeit, bis sie antworten, da sie durch den Fluch wissen, wie schwer unbedachte Worte wiegen können. Ganl‘en suchen die Nähe zu den Geistern und versuchen alles, um sich Seelen gegenüber korrekt zu verhalten. Ein Bauer bedankt sich rituell und aufrichtig bei den Geistern der Erde und des Getreides, das er erntet, so wie sich ein Zimmermann beim Baum bedankt, dessen Holz er bearbeitet. Ganl‘en handeln meist auch nur mit Menschen, die ihre Ganl‘enkunden an die rohen Ressourcen heranlassen, um sich vor dem Kauf bei den Geistern bedanken zu können. Bereits gefertigte Ware wird nur ungern gekauft.

Die weißen Dämonen lieben die Musik und viele Ganl‘en, die nicht in der Magie geschult werden, versuchen sich in der Meisterung eines Instruments. Zwar gibt es nur wenige Barden unter den Ganl‘en, doch ist das Ansehen dieser sehr hoch. Als Barde in eine Gemeinde von Ganl‘en zu kommen, ist wie ein Besuch bei Freunden. Musikern gegenüber sind die Ganl‘en wesentlich offener als anderen Künstlern oder Wanderern. Musik ist die Stimme der Seelen, lautet ein Sprichwort der Ganl‘en. Jedes Fest der Ganl‘en wird getragen von Musik und Gesang.

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